Warum verwenden wir kein Soja?

Die Lebensmittelindustrie hat Soja gerne. Warum? Soja ist einfach und im großen Stil kultivierbar. Es ist hat eine, zumindest auf den ersten Blick, gute Zusammensetzung. Wenig Kohlenhydrate, viel Protein, was will man mehr?

Doch Vorsicht! Soja hat auch eine dunkle Seite.

Die Sojabohne ist eigentlich eine Giftpflanze, die bis an die Zähne bewaffnet ist, um sich vor Fressfeinden zu schützen. Allerdings nehmen wir wenig Rücksicht auf diese Tatsache. Die Sojabohne ist nur nach aufwendiger Behandlung (Einweichen, Kochen, Fermentieren) für den Menschen als Nahrungsmittel geeignet. Eine Tatsache, die den Asiaten, welche die Sojabohne traditionell als Nahrungsmittel über Generationen verwendeten, durchaus bewusst war, welche im Zuge der modernen Lebensmittelindustrie jedoch zunehmend auf der Strecke bleibt.

 

Was sind Anti-Nährstoffe?

Soja ist voll mit sogenannten Anti-Nährstoffen.  Darunter versteht man biologische Verbindungen und Moleküle, die keinen Nährwert liefern, Strukturen im Körper schädigen können und/ oder die Aufnahme von Nährstoffen behindern. Warum sind gerade in Soja viele dieser Anti-Nährstoffe? Dazu muss man sich fragen, was Sojabohnen eigentlich sind. Die Sojabohne ist ein Pflanzenembryo – also das Baby der Pflanze. Ziel ist es, möglichst viele dieser „Babys“ weit in die Welt hinaus zu tragen und zum Keimen zu bringen.

Schauen wir in das Reich der Pflanzen, so finden wir 1000de unterschiedliche Strategien, um den Fortpflanzungserfolg zu sichern. Manche Pflanzen bilden eine schmackhafte und süße Hülle um ihren Kern, damit er von Tieren gefressen wird. Andere versuchen es mit Kletthaaren oder vertrauen lieber auf den Wind.

 

Auch wenn (zumindest die meisten) Pflanzen keine Zähne und Klauen haben, sie können sich doch wehren.

Phytinsäure

Soja gehört zu den Hülsenfrüchten. Hülsenfrüchte enthalten viele Antinährstoffe wie zum Beispiel die Phytinsäure.

Phytinsäure dient in Pflanzen wie z. B. Hülsenfrüchten, Getreide und Ölsaaten als Speicher für Phosphat und Mineralstoffen wie Kalium-, Magnesium-, Calcium-, Mangan-, Barium- und Eisen (II)-Ionen, die der Keimling zum Wachstum benötigt.

Aufgrund ihrer komplexbildenden Eigenschaften kann sie, vom Menschen mit der Nahrung aufgenommene Mineralstoffe wie Calcium, Magnesium, Eisen und Zink in Magen und Darm unlöslich binden, so dass diese dem Körper nicht mehr zur Verfügung stehen[i].

Phytinsäure kommt in der Natur als Anion, Phytat genannt, vor. Besonders viel Phytat ist in Mais, Soja sowie in Weizen-, Gersten- und Roggenkleie enthalten. Auch in der Erdnuss ist viel Phytat enthalten, weswegen sie – wie andere Hülsenfrüchte auch – trotz ihres hohen Mineralstoffgehaltes als Mineralstoffquelle nur beschränkt geeignet ist.

 

Hemmung der Proteinverdauung

Die Bohne der Sojapflanze sind im übertragenen Sinne, die Babys. Diese Babys müssen geschützt werden. Pflanzen haben die unterschiedlichsten Strategien entwickelt, um ihren Samen einen möglichst sicheren und guten Start zu gewehrleisten. Die Sojabohne ist mit Substanzen ausgestattet, welche die Verdauung von Proteinen hemmen. Die Folge ist eine verminderte Aufnahme der Aminosäuren. Diese nachteiligen Effekte der Sojabohne sind in der Landwirtschaft schon lange kein Geheimnis mehr. So weiß man, dass sich das Wachstum von Schweinen und Hühnern durch die Verfütterung von rohen Sojabohnen verzögert.

 

Lektine

Lektine sind spezielle Proteine, die sich an Kohlenhydratstrukturen binden und daher in der Lage sind an Zellen und Zellmembranen zu binden. Wir besitzen keine Enzyme um Lektin zu spalten. Gelangen also Lektine in den Darm, können Lektine aus der Nahrung an die schützende Schleimhaut des Darms binden und diese schädigen.

 

Wir die schützende Schleimhaut nachhaltig geschädigt, kommt es in weiterer Folge zu einer erhöhten Durchlässigkeit der Darmbarriere. So können Lektine in die Blutbahn gelangen und großen Schaden anrichten. Lektine können verschiedene Stoffwechselvorgänge, wie die Zellteilung, die ribosomale Proteinbiosynthese, die Agglutination von Zellen (in Bezug auf rote Blutkörperchen ist das eine Hämagglutination) oder das Immunsystem beeinflussen.

Auch wenn diverse Arten von Lektine im gesamten Pflanzenreich weit verbreitet sind und nicht alle für den Menschen gleich schädlich sind, so findet man sie besonders in Getreide und Hülsenfrüchten, wo sie als Verteidigungsmechanismus gegen Bakterien und Pilze dienen.

Aufgrund ihrer Fähigkeit an Zellen zu binden und Schäden an Organen zu verursachen werden sie auch als Anti-Nährstoffe bezeichnet[ii]. Die meisten Lektine sind resistent gegenüber Hitze und Verdauungsenzymen[iii]. WGA (wheat germ agglutinin), das Lektin aus Weizen, stimuliert die Produktion von pro-inflammatorischen Cytokinen TNF-α, IL-1β, IL-12 und IFN-γ[iv].

 

Phytoöstrogene

Phytoöstrogene sind sekundäre Pflanzenstoffe. „Phyto“, weil sie aus Pflanzen kommen und Östrogene, weil sie östrogenähnliche Wirkung haben.

Phytoöstrogenen, wie sie in Soja vorkommen, wird eine endlos lange Liste an gesundheitlichen Vorteilen nachgesagt, aber viele der Stoffe führen auch zu hormonellen Störungen (sie sind sogenannte endokrine Disruptoren) und können damit potenziell negative gesundheitliche Effekte haben.

Die Isoflavone in Soja, vor allem Daidzein und Genistein sind solche Phytoöstrogene. Die meisten Isoflavone nimmt der Mensch über sojabasierte Nahrung auf. Soja ist in mehr als 60% aller verarbeiteten Lebensmittel vorhanden. Soja Eiweiß (Protein) Isolat wird in Energieriegeln, Sportgetränken, Babynahrung, Müslis, „nachgebauten, veganen“ Milchprodukten, Eis und Käse verwendet.

Die Bevölkerung in Asien hat historisch gesehen niedrigere Raten von Herz-Kreislauf-Erkrankung, Wechseljahr-Symptome, Brustkrebs, Diabetes und Fettleibigkeit als westliche Populationen. Da Soja im asiatischen Raum eine größere Rolle, als bei uns spielt, hat sich dadurch der Glaube verstärkt, dass dies etwas mit der Gesundheit zu tun hat. In Wirklichkeit handelt es sich eher um gutes Marketing. Tatsächlich sehen wir eine ähnlich robuste Gesundheit bei allen traditionell Lebenden Kulturen. Von den Masai und Inuit, die sich zu 90% von Fleisch und anderen tierischen Produkten ernähren, bis hin zu den Tsiname aus Süd-Amerika, die relativ viel stärkehaltige Pflanzen und weniger Fleisch essen[v]. Das heißt, am Soja kann es nicht liegen.

 

Interessanterweise wird der Kontakt mit künstlichen Stoffen wie z. B. Pestizide (DDT), Schmierstoffe (PCB) und Plastifizierer (BPA — Bisphenol A), die hormonelle Störungen verursachen (wie dies eben auch die Phytoöstrogene machen) unter andern in Verbindung gebracht mit:

 

  • Verminderte Reproduktionsfähigkeit
  • Erhöhte Krebsraten
  • Fettleibigkeit (Adipositas)

 

Nichtsdestotrotz werden Phytoöstrogene (die die gleiche hormonelle Störwirkung wie die eben erwähnten künstlichen Stoffe haben) weiterhin nur mit den eingangs erwähnten positiven Eigenschaften in Verbindung gebracht.

 

Eine wachsende Zahl an Studien warnt jetzt, dass die gesundheitlichen Vorteile von Soja häufig überwertet wurden. Neuere Studien legen nahe, das Phytoöstrogene für bestimme Bevölkerungsgruppen wie Säuglinge und Ungeborene sogar ein erhöhtes Risiko darstellen[vi].

 

DIE VERSCHIEDENE WIRKUNGSWEGE, U.A. HORMONELLE STÖRUNG

Manche Isoflavone, vor allem Genistein, beeinträchtigen Pfade des Zell-Wachstums und Vermehrung, was Auswirkungen auf viele Organsysteme hat. Genistein verhindert die Aktivität von PTKs (Protein Tyrosin Kinasen – siehe auch https://de.wikipedia.org/wiki/Tyrosinkinasen) in den unterschiedlichsten Geweben, so auch in Brustkrebszellen.

 

**Folgende negative Effekte wurden im Tiermodel (meist Ratten bzw. Mäuse) nachgewiesen**:

  • Unterbrechung der Milchbildung (Laktation)
  • Verschiebung des Auftretens der Pubertät
  • Die Beeinflussung der Fähigkeit überlebensfähige und fruchtbare Nachkommen zu zeugen
  • Änderung oder Unterdrückung von geschlechtsspezifischen Merkmalen
  • Verfrühte reproduktive Alterung (Verschiebung der Menopause)
  • Gefährdung der Fruchtbarkeit

 

Referenzen

[i] Harland, BF. und Donald Oberleas, D.: Effects of Dietary Fiber and Phytate on the Homeostasis and Bioavailability of Minerals, in Gene A. Spiller (Editor): CRC Handbook of Dietary Fiber in Human Nutrition. Third Edition. CRC Press, 2001. ISBN 0-8493-2387-8. S. 161-170.

[ii] Pusztai A, et al. 1993. Antinutritive effects of wheat-germ agglutinin and other N-acetylglucosamine-specific lectins. Br J Nutr. 1993 Jul; 70(1):313-21.

[iii] Freed D.L.J. 1991. Lectins in food: Their importance in health and disease. J. Nutr. Med. 1991;2:45–64.

[iv] Sodhi A, Kesherwani V. 2007. Production of TNF-alpha, IL-1beta, IL-12 and IFN-gamma in murine peritoneal macrophages on treatment with wheat germ agglutinin in vitro: involvement of tyrosine kinase pathways. Glycoconj J. 24(9):573-82.

[v] Kaplan, Hillard, et al. „Coronary atherosclerosis in indigenous South American Tsimane: a cross-sectional cohort study.“ The Lancet 389.10080 (2017): 1730-1739.

[vi] Patisaul, Heather B., and Wendy Jefferson. „The pros and cons of phytoestrogens.“ Frontiers in neuroendocrinology 31.4 (2010): 400-419.

Bildquellen:

  • Flour soy in spoon on sacking: By rezkrr | © licensed via Envato

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